Freitag, 15. Mai 2026

 15.5.2026

Meine Depressionen - kommen sie vielleicht von dem Medikament her, welches ich schlucken muss: Zyprexa? Das soll ein ziemliches Teufelszeug sein. Wie dem auch sei - ich kanns nicht ändern. 90% des Lebens ist Physiologie. Aber ich arbeite mich langsam die stoische Leiter zur Freude hinauf. Ich mache Fortschritte.

Heute war ich im KMV (Bobex). Ich habe mein Versorgungsgeld abgeholt. Auf dem Rückweg spazierte ich durch das kleine Wäldchen auf dem KMV-Gelände. Wie liebe ich die Stille. Wie mag ich die Waldesruh! Das sanfte Grün der stillen Pflanzen. Würde ein Tier auftauchen, dann gäbe es gleich eine kleine Störung. Tiere, Menschen: alles unerfreulich problematisch. Wenn ich im stillen Wald spaziere, bin ich Gott näher als in der Gesellung. Ich bin entspannt und ausgeglichen. Meine Seele wird rund, sozusagen. Wie mag ich die Waldesruh!

Donnerstag, 14. Mai 2026

 14.5.2026

Ich trinke wieder einmal grünen Thee. Geschmack des Geschmacklosen. Um mich zu befriedigen, braucht es wenig. Ich bin durch und durch ökonomisch. Geschmack des Geschmacklosen. Ich bin ein Gräslein im Wind. Der Thee schmeckt so angenehm herb. Der Geschmack des Wassers dringt auch durch. Für mich hat selbst Wasser einen Geschmack. Was brauche ich schon in dieser Welt? Wenig. - Mein Zimmernachbar hört Musik. Ich bleibe stoisch. (Obwohl es mir schwer fällt, da ich die Stille mag.)

Mittwoch, 13. Mai 2026

Dienstag, 12. Mai 2026

 12.5.2026

Zehnmal muss ich am Tage zu mir sagen: stell dich nicht so an.

Nach dem Tod kommt nichts. Der Tod ist alles?

Sonntag, 10. Mai 2026

 11.5.2026

Ich glaube, dass ich Stoiker bin. Es kommt mir auf Seelenruhe an und darauf, dass ich meinen Platz im Kosmos finde. Das ist eine ganz einfache, fundamentale Sache. Es muss nicht alles kompliziert oder endlos tief und reflektiert sein. Ich halte mich ans Schlichte.

10.5.2026

Ich sitze am Tempelhofer Feld. Die Lerchen singen hübsch. Die Menschen sind entspannt. Ich bin auch entspannt. Aber ich bin nicht im Einklang. - Der Schmerz hat mich wieder einmal gepackt. Ich bin still und bedacht. Dennoch, obwohl ich allein bin, greift er nach mir. Naturgemäß denke ich an Selbstmord.

Wenn die Bäume blühen, dann ist Berlin der Hammer. Ich radel und radel und radel. Was für eine Pracht.

Gedichte sind ein großer Trost und eine kleine Erfüllung. Ich lese Else Lasker-Schüler.

Dazu, zur Form, zum Gelungenen George:


Der Teppich

Hier schlingen menschen mit gewächsen tieren
Sich fremd zum bund umrahmt von seidner franze
Und blaue sicheln weisse sterne zieren
Und queren sie in dem erstarrten tanze.

Und kahle linien ziehn in reich-gestickten
Und teil um teil ist wirr und gegenwendig
Und keiner ahnt das rätsel der verstrickten..
Da eines abends wird das werk lebendig.

Da regen schauernd sich die toten äste
Die wesen eng von strich und kreis umspannet
Und treten klar vor die geknüpften quäste
Die lösung bringend über die ihr sannet!

Sie ist nach willen nicht: ist nicht für jede
Gewohne stunde: ist kein schatz der gilde.
Sie wird den vielen nie und nie durch rede
Sie wird den seltnen selten im gebilde.

Samstag, 9. Mai 2026

 9.5.2026

Ich bin ein Singvogel, welcher in der Unfreiheit nicht singt.

Wie gerne ich alleine bin!

Freitag, 8. Mai 2026

 8.5.2026

Es ist seltsam, dass die Unmittelbarkeit im Alter offensichtlicher Weise gar nicht abnimmt. Man hat Lebensprobleme und Heiterkeiten wie ein Kind. Man könnte ein Baby nach dem Leben befragen.

Die Menschen fliegen wie Motten ins künstliche Licht. Dort verdampfen sie. Die Welt ist eine Leich, wenn man sie falsch handhabt.

Meine Art zu leben, im KMV, schwächt meine Männlichkeit. Wo doch meine Männlichkeit so schon etwas wackelt! Das alles tut mir gar nicht gut. Ich würde gerne nackt mit einem Schwert in der Hand durch den Grunewald reiten. - Betrunken?

Donnerstag, 7. Mai 2026

 7.5.2026

Ich weiß nicht, was ich bin. Daoist, Christ, Gnostiker, Pantheist oder Stoiker. Was bin ich? Am Ende des Tages bin ich wahrscheinlich ein Allmensch. Ist das der bequeme Gottesglaube? - Nein.

90% der Menschen beschäftigt sich zu 90% mit etwas Sozialem. Würden sie doch lieber den Gott in sich erforschen!

Heute hat mein Zuverdienst angefangen. War OK. Die Leute dort sind nett. Ich bekomme eine Mahlzeit. War OK.

Was kotzt mich an? - Das KMV kotzt mich an!

Mittwoch, 6. Mai 2026

 6.5.2026

Heute war mein letzter Tag auf der AT. Ich hatte sogar eine leichte Abschiedsmelancholie. Im übrigen wollten viele weiter mit mir in Kontakt bleiben. Ich werde gemocht, aber nicht respektiert oder anerkannt. Wir haben gegrillt. Es war nett.

Ich denke, dass Gott das Auseinandergehen der Gegensätze ist und nicht deren Zusammenfallen. Das verursacht auch Schmerz. Ich leide, weil ich ein Protochrist bin in einer Endzeit?

Dienstag, 5. Mai 2026

 5.5.2026

Das Leiden muss ich eben immer noch erleiden. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich noch im KMV bin. Aber beim Leiden bleibt ein rätselhafter Rest übrig, welcher schwer zu durchschauen ist. Leide ich, dann bin ich unfrei. Leide ich, dann bin ich Sünder? Im Übrigen muss man freundlich zur Welt und zu den Mitmenschen sein. Vielleicht liegt es auch daran. Oder es liegt an meiner Schwäche. Misere, Misere.


Auch auf der anderen Seite gibt es Probleme:

Wolfgang Grupp, der ehemalige Chef von Trigema, hat einen Suizidversuch unternommen, nachdem er öffentlich über seine Altersdepressionen sprach. In einem Brief an seine Mitarbeiter bedauerte er die Situation und appellierte an andere Betroffene, sich professionelle Hilfe zu suchen.

Montag, 4. Mai 2026

  4.5.2026

Ich habe heute auf der AT von einem kleinen Baum die verkümmerten Blüten abgesammelt. Sie waren verschrumpelt und beige. Er wurde versetzt und hatte deshalb keine Kraft mehr für die Blüte. Wie traurig, wenn die Blüte nicht kommt!

Sonntag, 3. Mai 2026

 3.5.2026

Das KMV kotzt mich an. Gestern zum Beispiel hat der Psychologe an der Tür geklingelt und mir dann gesagt, dass er mich wecken solle. Ein bisschen wird man hier geknechtet. Man wird behandelt wie ein debiles Kind.

Ich bin eben ganz unten, habe kaum Lebensraum. Eine gute Übung für meine Demut? Die Welt ist offensichtlich böse. Einer will auf Kosten anderer an Raum und Licht. Der Wille zu leben eben. Wie kann man unter solchen Bedingungen aufblühen und erwachsen werden? Das wird dann zum Privileg von wenigen. Das Soziale ist eine Vereinigung von Asozialen.


Das Gedicht „Trost“ stammt aus der Feder von Theodor Fontane.

Tröste dich, die Stunden eilen,
Und was all dich drücken mag,
Auch die schlimmste kann nicht weilen,
Und es kommt ein andrer Tag.

In dem ew′ gen Kommen, Schwinden,
Wie der Schmerz liegt auch das Glück,
Und auch heitre Bilder finden
Ihren Weg zu dir zurück.

Harre, hoffe. Nicht vergebens
zählest du der Stunden Schlag:
Wechsel ist das Los des Lebens,
Und - es kommt ein andrer Tag.

Samstag, 2. Mai 2026

 2.5.2026

(Nachmittags.) Ich war heute mit dem Fahrrad am Fennsee. Stiller Ort im Westen. Wie still und mild der Westen sein kann. Ich bin durchaus ein Einsiedler in der Welt. Ich bin ein Asket innerhalb der Welt.

Die Bäume leuchten. Die Büsche wiegt der Wind. Alles ist im Spiel mit dem klaren Licht. Ich brauche nichts. Ich harmoniere. Ewig drehen sich die Sterne, welche ich jetzt nicht sehe. Doch sie sind da und sie sind vollzählig. 

Ich rage über die Welt hinaus. Ich bin bei mir angekommen. Ich bin mit Gott allein. Die Blüte entfaltet sich harmonisch.

Menschen sitzen auf den Parkbänken. Radler fahren mit Velos vorbei. Ich will nicht lesen. Ich betrachte die schönen Buchen und den satten Rasen. Zwei Mädchen sitzen am Ufer und trinken etwas. Mit mir ist es aus und vorbei. Ich bin ein Ende.

 2.5.2026

Wenn die Meisten und Vielen sich vom Höheren leiten ließen, zum Beispiel von der Höhenpredigt, dann gäbe es wahrscheinlich gar keine Probleme mehr. Aber die Meisten weichen ab und wollen es durchaus leicht und egoistisch haben. Das ist bis jetzt meine Erfahrung.

Freitag, 1. Mai 2026

 1.5.2026

Werdet Vorübergehende!

Man muss die Dinge von sich gleiten lassen. Ich sitze auf einer Parkbank. Sonnenhelle gießt sich aus. Mein Gesicht wird angenehm bestrahlt. Etwas wie eine Monade bleibt in mir - und alles fließt daran vorbei. Ich lasse die Dinge an mir vorbeigleiten. Ich trinke das bittere. Ich trinke das Süße. Aber nun geht es mir gut. Ich bin voll und leer gleichzeitig. Ich bin ein Vorübergehender. 

Donnerstag, 30. April 2026

 30.4.2026

Zwei Dinge kann man wohl nicht an mir wahrnehmen: meine Seele und mein höchstes Sein.

Ich bin ein Allmensch? Bin ich ein Russe?

Das Soziale ist ein notwendiges Übel?

Mittwoch, 29. April 2026

 29.4.2026

Der Punkt ist erreicht, wenn man mit dem All resoniert. - Aber dabei stören mich die Anderen nur! Alles Soziale ist eine Mischung aus Gewalt und Anpassung. Wo begegne ich frei anderen Freien? Das ganze All ein KMV? Ich bin eingesperrt? Ich toppe das noch - und fessele mich selber hinter Stacheldraht - und umgrenze mich allein!

Dienstag, 28. April 2026

 28.4.2026

Ich war heute am Wannsee. Eigentümliche, schöne, harmonische Atmosphäre dort. Ich bin weder kontemplativ, noch wirklich aktiv. Ich bin. Wie das zugeht, das weiß ich nicht. Die Seele in Harmonie ist eine unfassbare Sache. Ganz tief in mir drinnen leuchtet ein schönes Licht. Wenn ich harmonisch bin, dann brauch ich nichts mehr. Ich sitze unter einem Frühlingsbaum und entfalte mich in Gott.

Montag, 27. April 2026

 27.4.2026

Heute haben wir in der AT (Arbeitstherapie) Pflanzen gegossen. Sonne und Wasser: Was für ein Segen.

Sonntag, 26. April 2026

 26.4.2026

Wer an Gott glaubt, der sieht überall ein Gutes wachsen.

Wer an Gott glaubt, der hat Zuversicht.

Samstag, 25. April 2026

 25.4.2026

Herrlicher Frühling! Zur Zeit fahre ich mit meinem Rennrad wieder durch Berlin. Wie einfach das Glück ist. Ich fühle mich lebendig. Man weiß gar nicht, woher das kommt, das Leben. Doch plötzlich ist es wieder da. Ich bin zwar immer noch im KMV, aber die Genügsamkeit tut im Leben immer not, nicht nur in der Forensik. Wer genug hat, der ist wohlhabend.

Freitag, 24. April 2026

 24.4.2026

Das halbe Leben ist: Dass man sich selber regiert. Selbst ein Einsiedler muss sich regieren.

Donnerstag, 23. April 2026

 23.4.2026

Mein Glaube? - Liebe, Demut, Seelenblüte.

Je mehr ich mit mir selber harmoniere, desto weniger muss ich tätig sein. Desto mehr bin ich.

Dienstag, 21. April 2026

 21.4.2026

Der Sinn des Lebens ist, daß man erwachsen wird. Dass man erwachsen wird, das ist der Sinn des Lebens. Der Sinn des Erwachsenwerdens ist das Seelenheil.

Man muss seinen Platz im Kosmos, in der Allnatur finden.

Montag, 20. April 2026

 20.4.2026

Der wichtigste Spruch lautet: Werdet Vorübergehende.

Was bedeutet dieser Spruch? Er bedeutet im Kern, dass alles relativ ist. Nur Gott ist ganz und absolut. Gott ist das All und die Allheit.

Lass also das Relative wieder abgleiten. Halte nichts fest. Alles Relative kommt und geht. In gewissem Sinne: Sei ein Hallodri. Nichts darf dich einbehalten, denn deine Seele sei frei!

Sonntag, 19. April 2026

 19.4.2026

Warum ich leide, das weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass ich, wenn ich leide - wenn es mich überkommt - dann ein Empfinden der Unfreiheit habe.

Durch Leiden zum Glück? Durch Leiden zu mehr Leiden? Aber wer leidet, der hat das Leben gefunden. Ich bin für Jesus, nicht gegen ihn.

Die drei apokalyptischen Reiter sind: Die Gier, der Größenwahnsinn, die Lieblosigkeit.

Wer gelitten hat, der hat das Leben gefunden.

Samstag, 18. April 2026

 18.4.2026

Ich interessiere mich nicht für eine gesellschaftliche Veränderung, welche eine bessere Gesellschaft am Horizont auftauchen macht oder auftauchen sieht. Ich weiß nicht, wer Trump ist. Das alles interessiert mich nicht. Ich gehe auch nicht wählen. Wo gerade wer Krieg führt, das lasse ich auf sich beruhen. Ich bin also ein Egoist des Seelenheils. Aber - wären doch mehr Egoisten wie ich!

Donnerstag, 16. April 2026

 16.4.2026

Wie schwer ich leide! Der KMV ist ein Schrecken in meinem Hirn. Meine Mutter ist eine schmerzende Wunde an meinem Kopf. Das Schwerste ist es, sich selber zu besiegen! Wie ist das schwer.

Es kommen bessere Tage? Ich weiß es nicht, aber was ich weiß, das ist, dass mir Wein jetzt helfen würde. Wein stärkt den Schwachen.

Ich muss noch mehr mein Ich schützen und es langsam umkreisen?


Dienstag, 14. April 2026

Sonntag, 12. April 2026

 12.4.2026

Ich bin ein Engel. Ein Engel ist jemand, der den göttlichen Genius in sich ganz entwickelt hat. Nach dem Engel kommt der Heilige. Nach dem Heiligen kommt der Gläubige. Woher weiß ich das? Ich erfahre es.

Samstag, 11. April 2026

 11.4.2026

Ich spaziere durch Berlin. Und das schöne Lenzwetter! Schlichtweg: Ich flaniere. Ich setze mich auf eine Bank. Ich lese. Ich bin glücklich. Blumen blühen.

Wenn man wählen könnte, ob man in einer reichen oder in einer liebevollen Familie leben könnte, dann würden sich die Meisten wohl richtig entscheiden?

Freitag, 10. April 2026

 10.4.2026

Man muss sich Gott opfern. Das ist etwas für wenige. Die Vielen sind einfach nur da. Wer gibt sich schon Mühe?

Mittwoch, 8. April 2026

 8.4.2026

Der Frühling bricht herein. Wie schön! Es erfreut einen, zumindest mich, jedes Mal aufs Neue. Man muss sich ans Schlichte halten und man darf sich nicht an die Dinge  gewöhnen. Ich bin Stoiker. Ich bin kein Filosof. Dem Denken muss Einhalt geboten werden!

Dienstag, 7. April 2026

 7.4.2026

Ich muss wahrscheinlich zwei Depospritzen nehmen. Heute war im Bobex die Übergabe. Damit bin ich aus der Station ganz raus und in der WG. Man fühlt sich als Ding behandelt. Dieses Ding wird von Bobex verwaltet. Im KMV bin ich immer noch.

Je älter ich werde, desto schwerer wird das Kreuz?

Mich interessiert nichts mehr. Ich kümmere mich nur noch um mich.

Montag, 6. April 2026

Sonntag, 5. April 2026

 5.4.2026

Ich ergebe mich ganz der Schwermut! Ich versinke in Schwermut. Ich gebe das Glück und schon das schlicht Suchen nach Heiterkeit auf. Ich habe keine gute Laune.

Wie mir die meiste neuere Architektur gefällt! Die polnische Botschaft zum Beispiel. Das ganze Regierungsviertel gefällt mir. Auch im Hansaviertel gibt es einige Gebäude, welche mir gefallen. Warum? Wegen der Wohlproportioniertheit und wegen der Schlichtheit.

Samstag, 4. April 2026

 4.4.2026

Ich bin es leid, nach Lösungen zu suchen, egal ob im Daoismus oder im Christentum. Ich akzeptiere, daß ich in der halben Misere lebe. Ich stürze mich ins Rad des Samsara. Ich stürze mich hinein. Es ist doch alles egal.

Gestern saß ich einfach auf der Parkbank, ohne zu lesen. Einfach so.

Freitag, 3. April 2026

 3.4.2016

Ich würde gerne in einer schönen, hellen Sommerwiese liegen und langsam sterben. Die Bienlein umsummen mich.

Soll man die Stärke suchen oder die Schwäche hegen? Ich weiß es nicht. Man muß sich ermannen und man ist schwach in Wahrheit. Den Kuchen haben und ihn essen?

Donnerstag, 2. April 2026

 2.4.2026

Mein ganzes Leben warte ich auf das gute Leben? Wo bleibt es? Ich lese gerade Heine. Ein fellow-sufferer? Aber jeder leidet anders und leidet für sich. Das Glück ist wahrscheinlich für alle ähnlich. So gesehen ist das Leiden interessant. Ich bin ganz ich im Glück und im Leid. Warum immer parteiisch sein für das Glück? Im übrigen tut wahrscheinlich Mitleid not.

Mittwoch, 1. April 2026

 1.4.2026

Wie oft ich leide! - Aber wer leidet, der ist ein Sünder. Daran glaube ich. Ist das Leben eine Enttäuschung? Sicher. Aber das Leben giebt es nicht. Ich selber bin auch ein bestimmender Faktor im ganzen Spiel. Doch wenn mich das Leiden überkommt, erlebe ich mich als unfrei. Dann wird alles zu einer Frage der Physiologie.

Dienstag, 31. März 2026

 31.3.2026

Manchmal geht mir der ewige Aufenthalt im KMV wie eine große Zahl an Mühlsteinen im Kopf herum.

Montag, 30. März 2026

 30.3.2026

Im Allgemeinen wird vom Leben zu viel erwartet. Warum? Weil man sich selber zu wichtig nimmt. Warum bringt man sich um? Weil man sich zu wichtig genommen hat und dann bemerkte, dass man übergangen wird.

Sonntag, 29. März 2026

 29.3.2026

Heute gab es ein gemeinsames Frühstück. Die Meisten hier in der WG sind relativ stumpfsinnig. Aber der Frühling bricht langsam herein! Trotzdem: Ich stehe auf verlorenem Posten. Auch wenn die Trauerweiden schon aufblühen. Ich bin halt immer noch entmündigt und in Haft. Ein Häftling, welcher Gedichte schreibt und ansonsten in den blauen Himmel schaut. Ich muß mit meiner Tonne zufrieden sein - und manchmal jammern!

Samstag, 28. März 2026

 28.3.2026 

Ein kühler, aber schöner Tag. Sonne lacht herein. Das Herz ist mild. Was mich nicht interessiert: Trump, das Römische Imperium, wer gerade Kanzler ist, die Weltwirtschaft. Ich liege in meiner Tonne. Ich bin winzig klein. Und dennoch sehe ich den ganzen Himmel. Die ersten Büsche blühen auf und sind so schön. Die ersten Trauerweiden tragen ein erstes Grün.

Übrigens: Das Schlimme mit den Vielen ist, dass sie sich keine Mühe geben.



Freitag, 27. März 2026

 27.3.2026

Es gibt drei apokalyptische Reiter: Die Gier, den Größenwahnsinn und die Lieblosigkeit. Aber die Lieblosigkeit ist der größte unter ihnen. Gier heilt Realismus. Größenwahnsinn heilt Realismus sicher. Was heilt die Lieblosigkeit?

Die WG ist garnicht so viel besser als die Forensik. Wann werde ich endlich wieder frei sein? 


Donnerstag, 26. März 2026

 26.3.2026

Mein Leben ist kein Honigschlecken. Das dürfte auch einer der Gründe sein, warum Strenge bei mir nottut. Man erwartet im Allgemeinen zu viel vom Leben.


Mittwoch, 25. März 2026

 25.3.2026

Ich habe heute mein Verpflegungsgeld auf der alten Station 5b abgeholt. Drei Jahre und zwei Monate war ich dort gewesen. Die Zeit verging so irgendwie und plötzlich waren drei Jahre herum. Das Zeitempfinden ist seltsam. Einerseits war sie zäh und gedehnt, andererseits ging es dann doch schnell. Überhaupt war der ganze Aufenthalt so eine Art Klostererfahrung. Wie vergeht im Kloster die Zeit ?Wahrscheinlich getaktet und in einem großen Strom (den man Gott nennt?). In der Forensik war er ehr ein großer Stillstand. Ich war auf mich selbst zurückgeworfen. Also doch ein Klosteraufenthalt: Bücher, kein Alkohol, kein Internet, kein Sex. Ich glaube, daß ich mir gegenüber strenger geworden bin.

Dienstag, 24. März 2026

 24.3.2026

Ich bin jetzt in einer WG. Die Forensik bin ich erstmal los. Obwohl ich auch in der WG nicht wirklich frei bin. Besser ist es schon. Zumindest habe ich jetzt W-Lan. Die WG befindet sich nah am Berliner Hauptbahnhof. Die Gegend gefällt mir. Warum Aber ein Tagebuch führen? Weil das Wort das Haus des Menschen ist, wie Heidegger schrieb. Deshalb.